von Markus Neufeld

Die 7. Tagung des Chinesisch-Deutschen Forums Anwendungsorientierte Hochschulausbildung (CDAH) befasste sich mit der „Zusammenarbeit zwischen Industrie und Bildung“. Das ist natürlich eine Steilvorlage für uns, zumal CREAPOLIS ja unter anderem zum Ziel hat, die Zusammenarbeit zwischen der Hochschule Coburg und der regionalen Wirtschaft zu fördern. Und so bin ich der Einladung unserer Präsidentin Prof. Dr. Christiane Fritze gefolgt, sie ins Reich der Mitte zu begleiten und im Rahmen dieser Tagung unsere Erfahrungen im Bereich der Transferaktivitäten an der Hochschule Coburg zum Besten zu geben. Nach der Tagung, so der Plan, besuchen wir noch einige Partneruniversitäten unserer Hochschule und zwischendrin wird auch noch ein wenig Zeit für Sightseeing sein.

Mit gemischten Gefühlen packe ich meinen Koffer. Zugegeben: China war für mich bisher ein ziemlich großer weißer Fleck auf der Landkarte und auch als Reiseziel jetzt nicht unbedingt unter meinen persönlichen Top 10. Meine China-Kompetenz endet so ungefähr bei gebratenen Nudeln mit Hühnchen. Ja: gerne scharf. Trotzdem bin ich gespannt auf dieses Land. Auf die Megacities. Auf echtes China Food. Und auch auf die Tagung, weil meistens doch ein, zwei Denkanstöße dabei sind, die für unsere Arbeit hilfreich sein können (abgesehen von den neuen Kontakten, die – in aller Offenheit – doch sowieso meistens im Vordergrund stehen).

Unsere Reise führte uns also von München mit der Lufthansa über Peking nach Hangzhou („Hangdschou“), einer eher kleinen, ‚nur‘ ca. 8 Mio. Einwohner großen Stadt südwestlich von Shanghai (zumindest gefühlt ist Coburg ja genau so groß 😉). Auf der Fahrt ins Hotel bekommen wir einen ersten Eindruck von der Stadt: unzählige 20-30-stöckige Wohnhäuser, viele Autos (vielleicht sollten wir dort mal eine Diskussion über Verkehr in der Stadt führen? *räusper*) – und Smog.

Kaum waren wir im Hotel, ging es auch schon zum Bankett. Eine Dusche wäre mir nach inzwischen gut 24 Stunden Reisezeit zunächst deutlich lieber gewesen, aber wir haben nicht wirklich eine Wahl. Und das Bankett lohnt sich: das ist gleich ein Crash-Kurs in chinesischer Kulinarik. Glücklicherweise sitzt eine Kollegin von der Hochschule Ostfalia neben mir, die mir hier und da erklärt, was genau ich esse (bei Quallen sieht man das nicht auf den ersten Blick, wenn man die noch nie gegessen hat). Und ich lerne, dass Zuprosten bei den Chinesen hoch im Kurs steht. Der gastgebende Präsident lässt es sich nicht nehmen, zu jedem Tisch zu gehen und mit uns anzustoßen. Das finde ich bemerkenswert. Gastfreundschaft wird großgeschrieben.

Am nächsten Morgen beginnt die Tagung dann offiziell mit großer Eröffnungszeremonie vor einem riesigen LED Screen (das letzte Public Viewing war ein Witz dagegen). Der Vormittag ist geprägt von Grußworten und Ehrungen. Immerhin: Politprominenz ist auch vertreten und so erhält die deutsche Honorarkonsulin mal eben noch eine Ehrendoktorwürde. Interessant wird es dann am Nachmittag. Ich darf meinen Vortrag im Panel „Kooperative Innovation durch Integration von Hochschulen und Unternehmen“ halten und bin als letzter dran.

Inspirierend finde ich den Vortrag eines chinesischen Kollegen über „The Development Ecology of Local Universities“. Dazu muss man wissen, dass es im chinesischen Hochschulsystem eine klare Hierarchie gibt. „Local Universities“ finden sich hier eher am unteren Ende. Hier sehe ich schon eine gewisse parallele zu unserer Hochschule in Coburg. Auch wenn ich uns eher als „regional“, denn als „local“ einstufen würde – eine solche Hierarchie ist zwar in Deutschland formal nicht so stark ausgeprägt, de facto aber natürlich vorhanden (man denke nur an die Exzellenz-Initiative!). Wie entwickeln sich also solche „local Universities“? Welche strategischen Entwicklungsmöglichkeiten haben sie überhaupt? Besonders hängen geblieben ist mir hierbei die enge, fast schon symbiotische Entwicklung von Hochschule und Stadt und Region und die Öffnung der Hochschul-Ressourcen für die Öffentlichkeit: Da musste ich natürlich sofort an unseren Makerspace denken („Wissen und Werkzeuge teilen“) und an den zukünftigen Prinz-Albert-Campus der Hochschule am Schlachthof. Für den Referenten liegt ein Schlüssel zum Erfolg in der vertieften Zusammenarbeit zwischen Hochschule, Gesellschaft und Stadt. Das fand ich bemerkenswert und hat mich ins Nachdenken gebracht. Wie können wir das noch besser machen? Wie können wir die Entwicklung von Hochschule, Stadt und Region – gerade im Wettbewerb mit den metropolitanen Hochschulstandorten – noch gemeinsamer denken und gestalten?

In meinem abschließenden Vortrag habe ich dann ausgewählte Erfolgsgeschichten erzählt, an denen CREAPOLIS mitschreiben durfte (demnächst mehr dazu an gleicher Stelle). Und im Nachgang war ich dann fast peinlich überrascht, als ich von einigen Zuhörerinnen zum gemeinsamen Foto gebeten wurde (ich vermute, es lag an meiner Körpergröße – 1,92 große Chinesen gibt es schlichtweg nicht so viele).

Die Tagung endete dann im Prinzip, wie sie begonnen hatte, mit Abschlussreden und etwas Diskussion, aber v.a. feierlich. Und der Staffelstab wurde übergeben an den Präsidenten der Hochschule Erfurt, wo die Tagung dann in zwei Jahren zu Gast sein wird …