Wie sich die Cranach-Schlange aus der Asche erhob

 Makerspace

Dürfen wir unsere neuste 3D-Figur vorstellen: die Kronacher Cranach-Schlange aus Bronze.  

Nicht Nessi, nicht Fuchur: Dieses drachenartige Tier ist die geflügelte Cranach-Schlange. Heute ist sie das Symbol der Stadt Kronach, dem Geburtsort von Lucas Cranach und seinem gleichnamigen Sohn, beide bekannte Renaissance-Künstler. Die Geschichte dahinter, wie sich deren Familienwappen, die Schlange, aus der Asche erhob (oder eher aus dem Pulver des 3D-Druckers), erzählt Markus: 

Flügel für die Cranach-Schlange

„Ich hab‘ da so eine Idee“, sagte mir vor einer gefühlten Ewigkeit unser geschätzter Kollege Hendrik Montag-Schwappacher, Geschäftsführer vom Innovationszentrum Kronach, als wir über unseren #digitalbert sprachen. Digitalbert? Ja, so nennen wir hier bei CREAPOLIS liebevoll den 3D-Scan des Prinz-Albert-Denkmals auf dem Coburger Marktplatz, den wir als 3D-gedruckte Miniatur von Coburg bis China schon einmal mit um die Welt genommen haben.

„In Kronach“, fuhr Hendrik also fort, „gibt es den Cranach-Drachen, den Lucas Cranach der Ältere häufig als Signatur auf seinen Gemälden verwendet hat. Vielleicht kann man damit auch mal etwas in dieser Richtung machen?“ Ich fand die Idee charmant und habe weitergedacht.

Die geheime Modellierung

Eigentlich bräuchten wir davon auch ein 3D-Modell. Das gab es bis dato noch nicht, denn die Schlange war ja bis jetzt nur eine Signatur und soll mit der 3D-Figur zum Leben erweckt werden. Also habe ich mal in unserem Team nachgefragt. Und siehe da: Lorenz hatte da jemand an der Angel, der auch schon unsere Villa modelliert hat. Gesagt, getan – und kurze Zeit später hatten wir ein erstes Rendering von der Drachenschlange auf dem Bildschirm.

Schön und gut, aber was machen wir jetzt damit? Den Digitalbert haben wir ja bei der Eröffnung der Coburger Designtage 2019 auf der Bühne platziert und ihn dem CDO-Vorsitzenden, Auwi Stübbe, überreicht. Das kam super an. Und der Drache? Kommt Zeit, kommt Rat. Und so schlummerte der liebe, kleine Cranach-Drache in seiner Höhle … äh … auf unserem Server, bis eine Prinzessin kommen sollte, um ihn zu küssen … sorry, falscher Film.

Aus dem Schlummer erwacht

Im Februar 2021 sind meine Kollegen der Hochschule Coburg an mich herangetreten, ob ich nicht den Livestream des Kickoff zum Lucas-Cranach-Campus in Kronach moderieren möchte. Ich habe gerne zugesagt, ohne zu ahnen, was das für eine gute Gelegenheit für unsere Cranach-Schlange ist. Erst ein paar Wochen später ist es mir durch den Kopf geschossen: Na klar, das ist der passende Moment, den Drachen der Öffentlichkeit zu präsentieren. Oder besser noch: als Präsent zu übergeben. Also an die Arbeit!

Wie Phoenix aus der Asche

Und dann ratterte auch schon die Maschinerie: Dieses Mal wäre doch ein Metall-3D-Druck das Richtige. Also habe ich Prof. Dr. Markus Stark aus dem Institut für Prototypen- und Modelltechnik (IPM) angerufen: „Sähest Du grundsätzlich eine Möglichkeit, den Drachen auf dem Metall-3D-Drucker zu drucken?“ Er sah. 

Bei einem Bauraum von 90x90x80 mm würde der Drache nicht besonders groß, aber dafür sehr hochwertig. Bronze sollte das Material der Wahl sein. Und er müsste den Drachen noch um 3° drehen, damit er am Boden mit beiden Punkten Kontakt hätte. Das „Zungenpiercing“ würde dafür auch wieder in die Vertikale zurückgedreht. Wie er das wohl macht, habe ich mich gefragt, aber mir soll’s recht sein. „Bei Bronze ist leider eine große Empfindlichkeit hinsichtlich Berührung gegeben. Das Material läuft relativ schnell an“, lasse ich mir noch erklären. Kein Problem, unser Techniker Bodo baut sicher eine Vitrine dafür aus Acrylglas. Und dann schmeißen die Kollegen vom IPM die Mlab Cusing R mit ihrem 100-Watt-Laser auch schon an.

Was bin ich neugierig! Und warte gespannt auf die Fotos, wie sich der Drache aus der Asche – oder besser aus dem Pulverbett des Druckers erhebt. 

© Daniel Kubat

Und siehe da: „Wow!“ Da bin ich einigermaßen sprachlos.

© Daniel Kubat
© Daniel Kubat

Der Drache fliegt in den Makerspace

Freitagvormittag, 12. März 2021, Tag der Eröffnung, Coburg. Ich komme aus dem Homeoffice mal wieder in unseren Makerspace. Bodo hat ganze Arbeit geleistet. Zusammen mit Lorenz hat er auf unserem neuen Wazer (Wasserstrahlschneider) eine alte Schieferschindel der Kühlhalle als Sockel zurechtgeschnitten und den Drachen mit zwei dünnen Stiften drauf befestigt. Die bronzefarbene Cranach-Schlange auf dem dunklen Schiefer. Das sieht einfach perfekt aus. Ich kann mich gar nicht sattsehen.

Time to shine: Lucas-Cranach-Campus Eröffnung

Freitagnachmittag, wenige Stunden vor dem Kick-Off im Livestream. Noch einmal gehe ich meine Moderation für den Abend durch. Ganz am Ende werde ich das Geschenk an Hans Rebhan übergeben, einem der Macher hinter dem Kronacher Lucas-Cranach-Campus. Vorher sichere ich mir eine Steilvorlage und werde ihn fragen, welche Rolle der Namensgeber Lucas Cranach der Ältere hier in Kronach hat. Und dann gibt's das Geschenk.

19:38 Uhr, Kronach, im Studio. Ich übergebe live die erste 3D-gedruckte Cranach-Schlange an Hans Rebhan mit den Worten, ich könne ja bei einer Geburtsstunde nicht mit leeren Händen auftauchen. Der Coup gelingt. Überraschte Gesichter. Applaus im Studio. Eine Minute später ist die Veranstaltung vorbei und wir sind offline. Erleichterung, gelöste Stimmung im Studio – und jeder will sie sehen, die Schlange. Echt? Bronze? Wow. Die Schlange darf auf keinem Foto fehlen.

„Und das war meine Idee, Markus?“, fragt mich Hendrik Montag-Schwappacher. Er konnte sich gar nicht mehr daran erinnern. „Ja“, sage ich, „bei uns Makerspace. So im Sommer 2019.“

„Fantastisch!“

Information

Lucas Cranach aus Kronach

Die Ähnlichkeit der Namen ist kein Zufall: Lucas Cranach wurde 1472 als Lucas Maler in Kronach geboren und benannte sich später nach seiner Heimatstadt um. Er und sein gleichnamiger Sohn gelten als berühmteste Künstler der Renaissance neben dem Nürnberger Albrecht Dürer. Durch ihre Freundschaft mit Martin Luther sind sie auch als „Maler der Reformation“ bekannt. Das persönliche Wappen, die geflügelte Schlange mit Metallring im Mund, wird die Signatur ihrer Werke und große Bekanntheit erlangen. Die beiden Cranachs gelten als berühmteste Söhne der Stadt Kronach, die sich gerne auch als „Lucas-Cranach-Stadt“ bezeichnet. 

© Frank Wunderratsch
© Frank Wunderratsch